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Weihnachten,
Neujahr und Dreiheilige in Frankreich
Ist die
Rede von französischer Weihnachtstradition, fallen meist die
Schlagworte Réveillon
(Weihnachtsschmaus),
sapin de
Noël (Weihnachtsbaum) und bûche
de Noël,
eine Art gerollter Biskuit gefüllt
mit Buttercreme. Der 24. Dezember ist in Frankreich ein normaler
Arbeitstag, erst in den
Abendstunden beginnen die Feierlichkeiten.
Der
"Réveillon", mit all den Delikatessen wie etwa
Gänseleber, gebratener Truthahn, Austern und der
traditionellen bûche
de Noël bildet
den glanzvollen Höhepunkt und oft auch Abschluss der Familienfeier
am Heiligabend in Frankreich.
Nachdem
sich die Familie zur Mitternachtsmesse in der geschmückten
Pfarrkirche versammelt hat, um die
Geburt Christi gemeinsam zu feiern, geht man geschlossen nach
Hause, manchmal auch in ein
Restaurant, wo dann der Réveillon mit
viel Fröhlichkeit und Frohsinn begangen wird.
Am 25.
Dezember – übrigens gibt es in Frankreich nur diesen einen
arbeitsfreien Weihnachtsfeiertag
– findet dann die Bescherung statt. Man sagt: "Le père
Noël est passé" – Der Weihnachtsmann
ist gekommen. Erwachsene tauschen gelegentlich schon an
Heiligabend ihre Geschenke.
Die
Kinder finden die Geschenke meist unter dem "sapin de
Noël", einem zunehmend phantasievoll
und weniger traditionell geschmückten Weihnachtsbaum, der in
buntem Glanz von Lametta,
Lichterketten und bunten Kugeln leuchtet.
Die
Heimat des "sapin de Noël" liegt im Elsass, von wo
aus er sich nach und nach über das ganze Land,
und später sogar in ganz Europa und weiten Teilen Nordamerikas
verbreitete. Prinzessin Charlotte
(Liselotte) von der Pfalz, durch die Vermählung mit Herzog
Philipp von Orléans Schwägerin
von Ludwig XIV., berichtet erstmalig im Jahre 1708 in einem
originellen Brief von der elsässischen
Sitte des Weihnachtsbaumes, der zu dieser Zeit noch mit roten
Äpfeln, Gebäck und Nüssen
geschmückt war. Doch schon davor gab es die sog.
Paradiesspiele, welche am 24. Dezember
eines jeden Jahres begangen wurden, und zu deren Zweck man einen
Baum zur Symbolisierung des
Paradiesbaumes aufstellte und mit Äpfeln schmückte.
Darüber
hinaus gibt es natürlich auch noch eine Reihe anderer
Weihnachtsbräuche, die von Region
zu Region unterschiedliche Ausprägungen haben können.
In der
Provence sind Krippenspiele eine
sehr beliebte Tradition. Berühmt ist dort auch der marché
aux Santons,
auf dem aus gebrannten Lehm
gefertigte Krippenfiguren verkauft werden. Sie stellen das Leben
eines porvenzalischen
Dorfes mit den traditionellen Berufen (Schneider, Schmied,
Schäfer usw.) dar und erfreuen
sich nach wie vor großer Beliebtheit.
In
der Normandie ist die Sitte ein Schäflein, zur Verehrung
Christi als das Opfer, in die Kirchenkrippe zu legen unter
Schafszüchtern heute noch
mancherorts
verbreitet.
Nicht
ganz so traditionsbewusst verläuft die Silvesternacht in
Frankreich, die den Abschluss der "Semaine
joyeuse", also der fröhlichen Woche (24. Dezember bis 1.
Januar) in ausgelassener Stimmung
mit einem réveillon begründet.
Wiederum werden edle Speisen, etwa die Gänseleber,
oder
aber auch Hummer und Austern aufgetischt und dazu Champagner
getrunken. Im Unterschied zu
Weihnachten hat „Saint-Sylvestre" keinen religiösen
Bezug und ist kein reines Familienfest.
Auch der
Tag, an dem es begangen wird, ist nicht immer der 31. Dezember
gewesen. So waren lange Zeit die
Neujahrsfeierlichkeiten dem Datum nach regional verschieden. In
Reims z.B. begann das neue Jahr am
25. März, dem Tag der Verkündung, in Paris wurde am Ostertag
das neue Jahr
eingeläutet.
Es war schließlich Karl IX., der durch Einführung des
Gregorianischen Kalenders im Jahre
1563 diese regionalen Unterschiede mit der einheitlichen
Festlegung des 1. Januar als Neujahrstag
für das Land beseitigte.
Geblieben
ist allerdings in vielen Häusern der Brauch, unter einer Mistel
um Mitternacht die Glückwünsche
fürs neue Jahr auszutauschen. Auch öffentliche Feuerwerke,
zumeist von Gemeinden organisiert,
sind beliebt, weniger verbreitet ist dagegen das private Zünden
von Feuerwerkskörpern in der
Silvesternacht.
Wer aber
meint, der Neujahrstag beschließe die Feierlichkeiten in
Frankreich, der wird wenige Tage
später am Dreikönigsfest beim Anschnitt der Galette
des Rois eines
Besseren belehrt. Der Dreikönigstag,
früher immer am sechsten Januar begangen, wurde vor einigen
Jahren von diesem festen
Kalendertag auf den ersten Sonntag nach Neujahr verlegt. Damit
wurde der Tatsache kürzerer
Urlaubszeiten rund um das Weihnachtsfest Rechnung getragen. Doch
auch in der Arbeitswelt ist der
Brauch der Galette, kuchenähnliches Blätterteiggebäck mit
oder ohne Marzipanfüllung,
mittlerweile äußerst beliebt. Manchmal ist es auch eine
Brioche aus Hefeteig, die aus
diesem Anlass gegessen wird. Man versammelt sich zur
traditionellen Galettefeier um einen Tisch,
wobei der Jüngste bestimmt, in welcher Reihenfolge die Stücke
verteilt werden. Wer auf die „fève",
kleine, im Gebäck versteckte Porzellanfigur oder Bohne,
stößt, darf sich eine bunte Pappkrone
aufsetzen und eine Königin oder einen König aus dem
versammelten Personenkreis ernennen.
Dem König fällt dann die Besorgung einer neuen Galette zu, die
dann am nächsten Tag auf gleiche
Weise gegessen wird. So dauert die Freude über die Galette
meistens eine ganze Woche an, was
nicht zuletzt die Konditoreien und Galettebäcker sehr
schätzen. Ist die letzte Galette verspeist,
so nehmen alle für die Dauer eines knappen Jahres endgültig
Abschied von der Gemütlichkeit und
dem Glanz der Festzeit.
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